Martine Clozel, Chief Scientific Officer

Martine Clozel, Chief Scientific Officer, Actelion

«Wo sonst bekommt man eine solche Chance?»

Viele Menschen träumen davon, ein eigenes Unternehmen zu gründen und zum Erfolg zu führen. Martine Clozel hat diesen Traum gemeinsam mit ihrem Mann und weiteren Mitstreitern in die Tat umgesetzt. In der im Jahre 1997 gegründeten Firma entwickeln und vermarkten heute über 1000 Personen aus 44 Nationen Medikamente gegen Lungenhochdruck oder die Gaucher-Erkankung. An weiteren Indikationen wie Schlaflosigkeit, Lungenfibrose, cystische Fibrose oder Multiple Sklerose wird derzeit gearbeitet.

Das Interesse an der Forschung wurde Martine Clozel in die Wiege gelegt. Ihre Mutter hatte einst im Labor der Nobelpreisträgerin Marie Curie als Physikerin geforscht, der Vater war Mathematiker. Die Eltern förderten den Forscherdrang ihrer Kinder bereits in jungen Jahren. Martine Clozel liebte es als kleines Mädchen, an mathematischen Rätseln herumzuknobeln. Später studierte sie Medizin.

«Frau Clozel, wie lernten Sie Ihren Mann kennen?»
«Im ersten Studienjahr an der Universität in Nancy habe ich jeweils am Samstagmorgen Zusatzlektionen in Biologie besucht. Dieses Angebot stiess unter den Medizinstudenten auf - sagen wir mal - laues Interesse, entsprechend leer war der grosse Vorlesungsaal. Ich aber wollte nicht nur Medizin büffeln, sondern auch die Biologie verstehen, die sich hinter einer Krankheit verbirgt. Einer der wenigen Studenten, der ebenfalls diesen Samstagskurs besuchte, war mein heutiger Ehemann Jean-Paul.»

«Worauf haben Sie sich nach dem Studium fokussiert?»
«Auf die Pädiatrie, also auf die Kindermedizin und später insbesondere auf die Neonatologie, auf die Versorgung von Frühgeborenen. Als ich auf der Neonatologie angefangen habe, war der medizinische Horizont in diesem Bereich noch begrenzt. So begann man damals gerade, neue Erkenntnisse, wie man Frühgeborene beatmen und ernähren muss, in der Intensivpflege anzuwenden.»

Auf der Neonatologie erlebte Clozel auch die Geburt von Fünflingen, drei Mädchen und zwei Jungen. Clozel war die betreuende Ärztin, und ihr Team machte eine gute Arbeit: Es waren die ersten Fünflinge in Frankreich, von denen alle überlebt haben. Eine Nachricht, die natürlich auf mehreren Titelblättern französischer Zeitungen verkündet wurde.

Noch heute hat Clozel eine besondere Beziehung zu Kindern. So hat sie persönlich dafür gesorgt, dass einige Medikamente, die Actelion vertreibt, auch für Kinder entwickelt werden. Vielen Arzneimitteln, die Kindern heute verabreicht werden, fehlen die wissenschaftlichen Belege für den Einsatz bei Kindern, weil die entsprechenden Studien nur an Erwachsenen durchgeführt wurden.

Ab dem Jahre 1987 war die Forscherin bei Roche tätig und arbeitete als eine der ersten Wissenschaftlerinnen an der Erforschung von Endothelin, einem kleinen Peptid, das in den Wänden der Blutgefässe vorkommt. Das Resultat war die Entdeckung des Wirkstoffes Bosentan. Ein halbes Jahr nach der Gründung von Actelion gelang es, Bosentan von Roche zu übernehmen und in der eigenen Firma zur Marktreife zu entwickeln. Dies ist, wie sie erklärt, neben ihren eigenen drei leiblichen Kindern, sozusagen ihr viertes Kind.

«Bei Roche hatten Sie einen sicheren Job. Warum haben Sie das Wagnis auf sich genommen und eine eigene Firma gegründet?»
«Wir wollten diese einzigartige Chance packen. Wir waren überzeugt, dass aus Molekül ein Medikament werden konnte. Uns allen war aber auch klar, dass es schwer werden würde, denn es braucht nicht nur gute Kenntnisse in der Forschung, um mit einer Life-Sciences-Firma Erfolg zu haben, sondern Kenntnisse über eine ganze Bandbreite bis hin zur Registrierung. In der Informatikbranche ist es vielleicht möglich, bereits mit jungen Jahren erfolgreich eine Firma zu gründen. In den Life Sciences ist das schwieriger.»

«Was fasziniert Sie an der medizinischen Forschung?»
«Für mich ist es das Interessanteste auf der Welt. Wir betreten hier Pfade, die noch niemand gegangen ist, und können helfen, das Leben vieler Menschen zu verbessern. Wo sonst bekommt man diese Chance? Als wir unser erstes Medikament auf den Markt brachten, dauerte es nicht lange, bis sich erste Patienten bei uns meldeten. Ein Kind schrieb uns: Viele schrieben uns, dass sie nun wieder ein beinahe normales Leben führen können. Das sind Geschichten, die Kraft spenden, auch wenn es mal nicht so läuft.»

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