Alex Matter, CEO eines Therapiezentrums

Alex Matter, CEO Experimental Therapeutics Centre, Singapur

«Forschung setzt sich langfristige Ziele»

Alex Matter wusste schon in jungen Jahren, was er einmal werden wollte: «Im Realgymnasium, das ich besuchte, gab es eine Bibliothek, deren Bücher ich praktisch alle durchgelesen habe. Insbesondere die Biographien berühmter Forscher haben mich damals interessiert, Bücher über Robert Koch oder Louis Pasteur». Eines der Bücher hiess «Die Mikrobenjäger». Mit zwölf Jahren wusste Matter, dass er ebenfalls Forscher werden wollte, am besten eben ein Mikrobenjäger.

Alex Matter legte eine beeindruckende Forscherkarriere hin. Der gebürtige Basler leitete die Krebsforschung des Pharmaunternehmens Ciba und später auch die der Novartis. Seine Mitarbeiter waren damals über die ganze Welt verteilt - Basel, Japan, New Jersey. Bis Anfang 2009 leitete er das Novartis Institut für Tropenkrankheiten in Singapur.

Fast sein ganzes Forscherleben widmete er dem Kampf gegen Krebs. Manche Rückschläge musste er einstecken. Immer wieder versuchte er mit neuen Wirkstoffen, den Krebs zu packen und zu bekämpfen, und immer wieder scheiterte er.

Neben den Rückschlägen konnte Matter aber grosse Erfolge feiern: Unter seiner Führung wurde ein Krebsmedikament entwickelt, ein Arzneimittel gegen eine bestimmte Form von Blutkrebs. Mehr als 50 000 Patienten profitierten bislang davon. Zudem war er verantwortlich für die Entwicklung eines Wirkstoffes gegen Brustkrebs und gegen HIV/Aids. Diese Medikamente haben unzähligen Menschen geholfen und manchen gar das Leben gerettet.

«Herr Matter, was braucht es, um als Forscher erfolgreich zu sein?»
«Es braucht den Willen, immer wieder Neues zu lernen. In der Forschung setzt man sich oft langfristige Ziele. Ein Forscher muss daher den Willen aufbringen, diese auch langfristig zu verfolgen. Ich habe mich Tag und Nacht mit den wissenschaftlichen Problemen auseinandergesetzt, die ich zu lösen hatte. Nur wer derart fokussiert und hart arbeitet, wird Erfolg haben. Das bedeutet auch, dass Familie und Hobbys oft im Hintergrund stehen.»

«Welche Hobbys pflegen Sie, wenn Sie Zeit dafür haben?»
«Ich reise sehr gerne, dieses Jahr war ich zum Beispiel für zwei Wochen in Bhutan. In Südostasien habe ich mittlerweile fast jedes Land bereist. Ich reise allerdings nicht gerne dem Massentourismus hinterher, sondern suche mir meine eigenen Wege. Ein anderes Hobby von mir ist das Bergsteigen. Die Verbundenheit mit der Natur ist mir wichtig.»

«Was ist das Faszinierende am Forscherdasein?»
«Dass es immer etwas Neues zu entdecken gibt. Jedes Experiment ist eine Reise ins Unbekannte. Mir gefällt auch das kompetitive Element in der Forschung. Es geht darum, schneller zu sein als die Konkurrenz, denn auch in der Wissenschaft gilt: Nur der Beste und Schnellste gewinnt. Forschung hat aber auch ein soziales Element. Über die Jahre habe ich viele Freundschaften geschlossen. Ich kenne Menschen in den USA, in Asien, in Europa, die ich immer wieder gerne besuche.»

«Wie sieht ein üblicher Tag im Leben von Alex Matter aus?»
«Übliche Tage gibt es bei mir nicht. Als Leiter des Novartis Instituts für Tropenkrankheiten in Singapur bin ich für etwa 100 Forscher und Mitarbeiter verantwortlich. Wir setzen uns ein für die Erforschung von Tropenerkrankungen wie Tuberkulose, Denguefieber und Malaria und wollen neue Arzneimittel gegen diese Krankheiten finden. Als Institutsleiter habe ich natürlich viele Aufgaben, das reicht bis zu Informationsveranstaltungen in Borneo, wo ich kürzlich vor 200 verschleierten Frauen die Behandlung von Malaria erklärt habe.»

«Sie haben ein sehr erfolgreiches Krebsmedikament entwickelt. Was braucht es, um ein Medikament auf den Markt zu bringen?»
«Es ist wie bei einem gelungenen Kuchen: Wichtig sind viele gute Zutaten. Zunächst mal braucht es einen Projektleiter, der überzeugt ist von seiner Sache, sich einsetzt und das Team abschirmt, wenn es mal nicht so läuft. Dann braucht es eine gute Zusammenarbeit innerhalb des Teams, ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Es braucht Inspiration, um die schwierigen Phasen meistern zu können. Und ohne viel Geld geht es nicht, denn Forschung ist aufwendig und teuer.»

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